Chronik
Der Ursprung der Gartenkolonie Nürnberg-Sandreuth geht über das eigentliche Gründungsjahr hinaus. Bereits im Jahre 1904 bewarben sich einige junge Eisenbahnerinnen und Eisenbahner bei der damaligen Eisenbahnverwaltung um Gartenland im Gleisdreieck Nbg.-Treuchtlingen und Nbg.-Crailsheim.
Ihnen wurde etwas Brach- und Wiesenland in Sandreuth zugeteilt. Mit viel Idealismus und Arbeit wurden von den Gründermüttern und -vätern Gärten angelegt und der Boden anbaufähig gemacht.
Dabei war nicht einmal eine Wasserleitung vorhanden, sondern das Wasser musste mühevoll vom 2 km entfernten Ludwigskanal herbeigeschafft werden.
Trotzdem entstanden immer mehr Gärten. Im Jahre 1908 waren es bereits mehr als 100. Es wurde notwendig, der Kolonie eine Organisation zu geben. Dies war die Gründung des heute noch bestehenden Kleingartenvereins.
In den folgenden Jahren wurde die Kolonie verschönert und ausgebaut. Ein Wasserleitungsnetz wurde verlegt. Aus einem ausrangierten Personenzugwagen entstand sogar eine provisorische Kantine.
Der zweite Weltkrieg war die schwärzeste Zeit in der Gartengeschichte. Durch Bombenangriffe auf die nahe gelegenen Eisenbahnnetze wurden auch die Kleingärten schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach Kriegsende mussten die vielen Bombentrichter mit Schutt aufgefüllt werden und die zerstörten Gartenanlagen allmählich wieder instand gesetzt werden. Neue Gartenhäuschen wurden aus Ziegelsteinen von den Ruinen der Stadt gebaut. Dies wurde durch viel freiwilligen Arbeitsdienst erreicht. Auch eine kleine Kantine mit einem dazu gehörenden Bierkeller konnte durch Gemeinschaftsarbeit aufgebaut werden.
Von nun an wurden regelmäßig Gartenfeste abgehalten. Es wurden Heringsbrater und Verkaufsstände aufgestellt. Der Höhepunkt eines solchen Gartenfestes war damals ein Lampionumzug der Kinder durch die ganze Gartenkolonie.
Der erste Höhepunkt im Vereinsgeschehen war die 50-Jahrfeier mit Ehrung der 8 Gründungsmitglieder am 2. August 1958.
1961 konnte durch viele, viele freiwillige Arbeitsstunden und durch Unterstützung der Brauerei Vasold & Schmitt eine neue, 120 qm große Kantine errichtet werden, unser heutiges Vereinsheim.
Jetzt war es endlich möglich, Versammlungen und Veranstaltungen in den eigenen Räumen abzuhalten.
Die Jahreshauptversammlung, eine Weihnachtsfeier, sowie ein regelmäßiger Kaffeeklatsch und div. Spieleabende etc. gehören neben dem Gartenfest seitdem zum festen Bestandteil des Vereinslebens.
Krisen gab es in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte natürlich auch.
Bereits 1937 sollte eine Straße mitten durch die Kolonie gebaut werden. Der 2. Weltkrieg verhinderte das Vorhaben. 1963 drohte wiederum dieser Straßenbau. Es waren bereits Gärten zur Auflösung bestimmt. Glücklicherweise kam auch dieser Plan nicht zur Durchführung.
1983 schien es erneut ernst zu werden. Die Bundesbahn wollte das gesamte Gelände verkaufen. Es sollte das Straßennetz ausgebaut werden und Wohnhäuser und Fabrikgebäude entstehen. Letzten Endes war es eine große, gemeinsame Protestinitiative der Gartenpächterinnen und -pächter, vom Vorstand, der Nachbarschaft und weiteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, unterstützt von Bürgervereinen, der Nürnberger Presse und Stadträtinnen und Stadträten aus versch. Parteien, welche Stadt und Bahn bewogen, ihre Pläne abzuändern.
Auch weiterhin war die Gartenanlage durch einen Verkauf bedroht, so auch erneut 2026. Am 18. März 2026 wurde der Vorstand in Kenntnis gesetzt, dass die Deutsche Bahn als Eigentümerin das Grundstück verkaufen wird. Umgehend hatte sich der Vorstand an sämtliche Parteien im Nürnberger Stadtrat gewandt und um Hilfe gebeten, der Bürgerverein Schweinau, der BUND Naturschutz sowie der Landesbund für Vogel- und Naturschutz wurde kontaktiert. Mit Hilfe der Pächterinnen und Pächter wurden Flyer erstellt und gedruckt, eine Online-Petition gestartet und in der Nachbarschaft Unterschriften gesammelt. Die Bahn-Landwirtschaft (Bezirk Nürnberg) konnte aus finanziellen Gründen das Grundstück nicht erwerben, die Stadt Nürnberg auch nicht. Am 10. Juni 2026 wurde der Vorstand vom 3. Bürgermeister, Herrn Dr. Nasser Ahmed, in der Kolonie besucht und darüber informiert, dass für die Kleingartenanlage ein Bebauungsplan erstellt wird, da es zu diesem Zeitpunkt nur einen Flächennutzungsplan für das Gelände gab. Am 25.Juni 2026 wurde im entsprechenden Ausschuss der Stadt Nürnberg dieses Vorhaben einstimmig beschlossen und die regionale Presse informiert.
Aus Dankbarkeit sind wir als Verein nicht nur Mitglied im Bürgerverein Schweinau, sondern nun auch im BUND Naturschutz und im Landesbund für Vogel- und Naturschutz.
Wer auch immer das Grundstück kaufen sollte, die Gartenanlage bleibt bestehen und darf nicht bebaut werden.
Heute zählt die Gartenkolonie 98 Gärten mit ca. 200 qm Nutzfläche pro Garten, ein Vereinsheim bzw. eine Gaststätte sowie 10 weitere größere abseits gelegene Gärten.
Die Gartenkolonie – eine der ältesten in der Bundesrepublik – hat noch lange Jahre vor sich und feiert im Jahr 2028 ihr 120-jähriges Jubiläum.
Chronistische Unterlagen ab Gründungsjahr 1908 bis 1944 liegen keine vor.
Die 1. Vorsitzenden des Vereins ab 1945
1945 – 1953 Xaver Hufnagel, 8 Jahre treuhänderisch
1953 – 1962 Andreas Huber, 9 Jahre
1962 – 1963 Kurt Sorge, 11 Monate
1963 – 1967 Georg Dornheim, 4 Jahre
1967 – 1981 Adalbert Klingele, 15 Jahre
1981 – 1989 Friedrich Wiesel, 8 Jahre
1989 – 2017 Manfred Reif, 28 Jahre
2017 – 2025 Sabine von Ende-Krug, 8 Jahre
2025 – 2026 Sabit Hadzajlic, 1 Jahr
2026 – heute Sabine von Ende-Krug